Museumsecke
Unsere Schule
Die ältestes Schule am Ort, meine ehemalige Grundschule a. d. Johann-Schmid-Straße, kann auf eine beinahe 70-jährige Geschichte des Schulhauses zurückblicken.
Die 50-Jahrfeier 2006 wurde damals von meinen Vorgängern in der Schulleitung, Frau Romanacci und Frau Deffner, festlich ausgerichtet, u.a. mit der wunderbaren Aufführung der Zauberflöte aller Klassen zusammen mit professionellen Opernsängern im Bürgerhaus und einer umfänglichen Kunstausstellung: 50 Jahre Schulgebäude - 250 Jahre W. A. Mozart.
Zur 60-Jahrfeier unter Frau Denzingers und meiner Leitung wurden erneut viele geschichtliche Daten und Ereignisse zusammengetragen und durften der Schulgemeinschaft in einer unterhaltsamen Feier in der Mehrzweckhalle in Erinnerung gebracht und anschaulich vorgeführt werden. Auch die ehemaligen Schulleitungen gaben uns die Ehre.
„Schule früher“ fasziniert gerade die jüngsten Schüler. Sind doch der straffe und mitunter strafende Unterricht in den engen Schulbänken mit angebauten Sitzen und das Schreiben mit Feder, Griffel und Tinte im modernen und teilweise digitalisierten Unterricht so nicht mehr vorstellbar. Sie weckten und wecken aber stets die Neugierde, was die Ur- oder gar Ururgroßeltern lernen mussten und erlebten. So entstand unter meiner Regie aus den Projekttagen „Schule früher“, pünktlich zur 60- Jahrfeier, in der Aula ein kleines Schulmuseum mit alten Schulbänken und Utensilien aus vergangenen Schulzeiten. Neben dem Heimatmuseum hatten auch einige Elternhäuser mit Leihgaben oder Dauerleihgaben einige sehenswerte Ausstellungsstücke beigesteuert. Archivfunde im damaligen Lehrerzimmer, zum großen Teil in Sütterlinschrift verfasst, hatten mich bereits 2014 überrascht. Im Zuge der Umbauten der Verwaltungsräume während meiner kommissarischen Schulleitung fanden wir Schülerlisten und Zensurbücher, zurückreichend bis 1874. Die Unterschleißheimer Kinder gingen mit Einführung der Schulpflicht von 1802 bis 1867 noch nach Oberschleißheim ins Alte Schloss zum Schulunterricht. Vorher besuchten die Kinder die Eremitenschule in Mittenheim, aber nur von November bis April, da sie bei der Feldarbeit gebraucht wurden. Der Unterricht im eigenen Schulgebäude in der Hauptstraße begann am 1. September 1867 mit 40 Kindern, darunter 4 Abc-Schützen. Laut unseres ältesten Fundes, zweier „Censurbücher“ von 1874 gab es Werktags- und Feiertagsschüler. Sie sind namentlich mit feinsäuberlichen Eintragungen dort aufgeführt.
Die kontinuierliche Entwicklung der Schülerzahlen erforderte nach einem Anbau 1888 einen zusätzlichen Schulbau im Jahre 1931 auf dem nahen Hackergrundstück noch in der Hauptstraße.
Ein Niederschriftenbuch von 1938 bis 1949 sowie ein Beschlussbuch von 1949 bis 1954, abgefasst in teils vorbildlicher Sütterlinschrift der jeweiligen protokollierenden Lehrkraft, geben interessante Einblicke in die Nöte und Freuden der Schulgemeinschaft in dieser Zeit. Die Anweisungen bei Fliegeralarm, z. B. von 1944, stehen wie selbstverständlich neben der Aufforderung an die Lehrkräfte, das Schriftwesen pflichtgemäß zu führen. Der Schulalltag wurde trotz Krieg aufrechterhalten. Alle Schulkinder erhielten 1946 nach dem Krieg, so weit als möglich eine Schulspeisung und mussten monatlich von ihren Lehrkräften gemessen und gewogen werden. Wie erfreulich, wenn man sich für ein Schuljahr lang (1950/51) von der Volksschule in Oberschleißheim zu Unterrichtszwecken ein Rundfunkgerät ausleihen durfte oder der Bürgermeister Johann Schmid eine Mappe mit Märchenbildern für die Lehrmaterialien sponserte. Für dringend neue Schultafeln war 1950 hingegen kein Geld im Gemeindesäckel. In einer offensichtlich besonders ausführlich abgehaltenen Lehrerratssitzung im November 1953 wurden die Lehrkräfte ermahnt, die Kinder rechtzeitig vor Sonnenuntergang aus der Schule zu entlassen, damit sie 45 Minuten nach Sonnenuntergang daheim sind. Die Ganztagsschule, bzw. der sogenannte Schichtunterricht, war damals aus Gründen der Raumnot notwendig und selbstverständlich. Einige Mädchenklassen wurden nur vormittags und einige Knabenklassen nur nachmittags unterrichtet. Gefeiert wurde auch gerne. Die Eltern wurden zu Schulvorführungen beim sog. Bunten Abend, z.B. im Mai 1952, eingeladen. Allerdings waren beim Feiern am Faschingsdienstag keine Knallerbsen- und frösche erlaubt.
Endlich verlangte der marode Zustand der bisherigen beiden Schulgebäude einen kompletten Neubau auf dem freien Feld hinter der Lärchenstraße in Lohhof. Am 10.11.1956 war es dann endlich so weit und die Schule wurde eingeweiht. 12 Lehrkräfte zogen um und nahmen die genannten Schätze mit, aber auch viele Exemplare aus der Lehrerbücherei zur Unterstützung des Unterrichts. Diese fanden Platz im neuen Lehrerzimmer. Die Lehrkräfte (s. Quelle Zeitungsbild) unterrichteten nun in der neuen Volksschule. An der Front mit einem Freskobild eines Schutzengels geschmückt, gab es vorerst im neuen Schulhaus 10 Klassenräume und zwei Fachräume. 1966 wurde der Bau während der Amtszeit von Frau Regina Stoll nochmals erweitert. Bis zum Bau des Förderzentrums 1971 gab es auch drei von Sonderpädagogen geführte Klassen. 1970 entstand im Gebäude aufgrund der hohen Schülerzahl eine zweite Grundschule, die Grundschule am Kennedyplatz, die später ihre neue Heimat an der Ganghoferstraße erhielt. 1974/75 wurde dann die Volksschule a. d. Johann-Schmid-Straße in eine Haupt- und Grundschule geteilt. Die Leitung der verbliebenen Grundschule a. d. Johann-Schmid-Straße wurde Frau Anni Fischer übertragen. Sie hatte laut einer wieder entdeckten Urkunde bereits das Anliegen, einen Schwerpunkt auf die Umwelterziehung zu legen. Die Schule war von 1958 bis 1988 eine Partnerschule der Deutschen Umwelt-Aktion e. V. . Das freut mich besonders, weil der Umweltgedanke nicht nur mir ein großes Anliegen war, sondern auch für meine Nachfolgerin, Frau Baumgartner, ein wichtiger Schwerpunkt der Schulentwicklung ist. Seit 2019/20 ist die Grundschule eine vom LBV immer wieder ausgezeichnete „Umweltschule in Europa / Internationale Nachhaltigkeitsschule“.
Die kleine geschichtliche Ausstellung in der Aula, die es seit 1998 gibt, wird nun in den Fundus unseres Stadtmuseums zurückgeführt, bzw. werden eventuell zusätzliche Exponate, die ich nun nach zehn Jahren zu diesem Zweck wieder gesichtet und erneut geordnet habe, aufgenommen werden. Vieles davon findet dort hoffentlich einen Platz, um den Besuchern und vor allem den Schulklassen im Stadtmuseum die Schulgeschichte unserer Stadt lebendig vor Augen zu führen und wird damit einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Für die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum bedanke ich mich herzlich bei dessen Leitung Frau Julia Schubert.
Unterschleißheim, 10.02.2026
Ingeborg Schwab, ehemalige Rektorin an der Grundschule a. d. Johann-Schmid-Straße








