Link verschicken   Drucken
 

Streitschlichter

 

Streitschlichter an der Grundschule Johann-Schmid-Straße

 

Die Idee dahinter

 

In der Lehrer*innenkonferenz im Schuljahr 2013/14 wurde beschlossen, die „Streitschlichter“ an der Schule zu etablieren, um die Kinder bei der selbstständigen Entwicklung sozialer Kompetenzen zu unterstützen.

 

Kinder als ausgebildete Streitschlichter leisten einen wesentlichen Beitrag zu friedlicheren Pausen, weil sie "kleinere" Streitfälle lösen, die sonst eskalieren könnten oder ungeklärt blieben.

 

Gemeint ist Streit ohne starke körperliche oder psychische Verletzungen.

 

„Größere“ Streitfälle werden von den Lehrer*innen und Sozialpädagog*innen an unserer Schule geklärt und miteinander gelöst.

 

Die Gründe, warum wir es sinnvoll finden kleinere Streitigkeiten mit Hilfe von Streitschlichtern zu lösen, sind für uns:

 

  • Kinder können sich leichter in die Probleme und Streitereien anderer hineinversetzen können.

 

  • Kinder lernen gewaltfrei zu streiten.

 

  • Kinder lernen von Kindern.

 

  • Kinder helfen sich gegenseitig und steigern somit ihre Sozialkompetenz.

 

  • Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen, sowohl für sich selbst als auch für andere.

 

  • Kinder lernen, wie man hilfreich und konstruktiv streitet, das bedeutet u.a. zu erkennen, wie aus einem Streit für die Zukunft gelernt werden kann.

 

  • Kinder lernen, wie man sich versöhnen kann, wie Kompromisse zu einem guten Miteinander führen.

 

 

Inhalt und Ablauf

 

Die Ausbildung der Schüler*innen findet im Rahmen einer AG am Nachmittag statt.

Als Grundlage für die Arbeit mit den Kindern in der AG dient das Konzept von Marina Götzinger und Dieter Kirsch: „Grundschulkinder werden Streitschlichter“.

 

Die dort zugrunde gelegten Stufen der Ausbildung, die die Schüler*innen durchlaufen, werden durch den von der JaS-Fachkraft erarbeiteten Ablauf der Streitschlichtung und gruppenpädagogische Elemente ergänzt.

 

Damit auch die Eltern über das Konzept der Streitschlichter an der Schule in Kenntnis gesetzt werden, wird von der JaS einmal pro Schuljahr ein allgemeiner Informationsabend veranstaltet.

 

Auswahl der Schüler*innen

 

Die Ausbildung der Streitschlichter wird in der dritten Klasse vollzogen. Bewerben können sich interessierte Schüler*innen am Ende der zweiten Klasse. Dazu füllen diese ein Bewerbungsformular aus, in dem sie unter anderem angeben, warum sie Streitschlichter werden wollen.

 

Eine Anzahl von 8 Kindern für die Ausbildungsgruppe hat sich in den letzten Jahren bewährt. Bei der Auswahl der Schüler*innen werden verschiedene Kriterien berücksichtigt:

 

  • eine gerechte Mischung aus Jungen und Mädchen

 

  • eine ausgewogene Anzahl aus allen dritten Klassen

 

  • Berücksichtigung aller sozialen Gruppen

 

 

Ablauf der Ausbildung

 

Die Ausbildung der Streitschlichter beginnt Anfang Oktober des jeweiligen Schuljahres. In einer wöchentlich stattfindenden zweistündigen Arbeitsgemeinschaft (AG), erarbeiten die angehenden Streitschlichter den Ablauf einer Streitschlichtung sowie den Umgang mit auftretenden Problemen.

 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Aula (Anmeldung über die Mittagsbetreuung) werden an den Nachmittagen der Ausbildung folgende Themen behandelt:

 

  • Den Unterschied zwischen Mediation (Streitschlichtung) und Gericht

 

  • Die Regeln der Streitschlichtung, welche die Streitenden einhalten müssen

 

  • Die Rolle der Streitschlichter (vertraulich, unparteilich, unterstützend)

 

  • Das (aktive) Zuhören - der Perspektivenwechsel - das Gesagte wiederholen

 

  • Die Gefühle der Streitenden erkennen und berücksichtigen

 

  • Dem Streit auf den Grund gehen - mit Hilfsfragen die Ursache erforschen (Eisbergmodell)

 

  • Die Lösungsvorschläge der Streitenden sammeln

 

  • Einen Vertrag schließen und evtl. ein Nachtreffen vereinbaren

 

Gegen Mitte des Schuljahres legen die Streitschlichter ihre Prüfung ab. Frau Kelle, Caritas JaS aus der GS Ganghofer Straße, kommt dazu in unsere Schule und führt eine mündliche Prüfung (Kolloquium) durch.

 

In einer der folgenden Schulversammlungen werden die Streitschlichter dann der gesamten Schulfamilie vorgestellt und erhalten offiziell ihre Urkunden.

 

Die Arbeit der Streitschlichter auf dem Pausenhof, gemeinsam mit den Streitschlichtern des Vorjahres in einer Paten-Funktion, beginnt. Die AG endet erst zum Ende des Schuljahres, um alle noch gut begleiten zu können.

 

Die „aktiven“ Streitschlichter

 

Die Streitschlichter sind in den Schulpausen aktiv. Jeweils zwei Kinder haben in einer Pause „Dienst“. Ein Dienstplan (Aushang im Schaukasten am Eingang der Schule & an der Eingangstür am Pavillon) informiert die Schüler*innen und die Pausenaufsicht (Lehrkraft), welches Kind an welchem Tag Dienst hat.

 

Die aktiven Streitschlichter tragen gelbe Westen und werden gleich von den Mitschüler*innen erkannt.

 

Streitende können ihren Streit nur dann klären lassen, wenn sie selbstständig auf die Streitschlichter zugehen und diese um eine Streitschlichtung bitten. Freiwilligkeit ist hierbei Voraussetzung und Teil der Idee.

 

Dazu hat die Schule eine „Streitschlichtungsecke“ mit einem „runden“ Tisch und zwei Schallschutzsofas in der Schulaula eingerichtet. Hier können, in weitgehend ruhiger Atmosphäre, die Streitereien der Pausen geschlichtet werden.

 

 

Yvonne Irlenborn

Sozialpädagogin (FH)

Stand: 30. März 2020

 

 

„Nachher ging es mir viel besser.“ (Götzinger & Kirsch, S. 58)

„Die sagen nicht nur, wir sollen damit aufhören, sondern klären den Streit.“ (Götzinger & Kirsch, S. 58)

„Da wird man nicht gestört.“ (Götzinger & Kirsch, S. 58)

„Da kann man sagen, was man sagen möchte.“ (Götzinger & Kirsch, S. 58)

„Die Streitschlichter  verstehen uns besser als die Lehrer.“ (Götzinger & Kirsch, S. 58)